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Studie bzgl. Internet in der DG

Lernen und Arbeiten in der Informationsgesellschaft

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Zwischenbericht der Regierung über die Möglichkeiten des Internet in der Deutschsprachigen Gemeinschaft


3. Schulen ans Netz

3.1. Projektidee

Die Regierung möchte die Einführung der neuen Informationstechnologien im Bildungs- und Ausbildungsbereich unterstützen. Die Zusammenarbeit zielt im Rahmen dieses Projekts darauf ab, Initiativen auf unterschiedlichen Ebenen zu bilden, die in Abhängigkeit zu den möglicherweise zur Verfügung stehenden Finanzmitteln stehen.

Die Hauptstudienlinien dieses Projekts sind:

    3.1.1 "Intranet" zwischen den Schulen

    Die Sekundarschulen der Deutschsprachigen Gemeinschaft sowie die Bildungseinrichtungen und beruflich-sozialen Förderstätten sollen Zugang zum Internet erhalten. Dabei wird an ein großes Telekomnetz zwischen den Schulen gedacht, welches zum einen den Austausch von Informationen zwischen den Schulen on-line ermöglicht und zum anderen Zugang zum WorldWideWeb gewährt.

    3.1.2. Vollständig ausgerüstete Multimedia-Arbeitsplätze

    Die Bereitstellung von Multimedia-Hardware und die Möglichkeit kostengünstiger Anschlüsse wird geprüft.

    3.1.3. Aufbau eines zentralen Bildungsserver der Gemeinschaft

    Wenn die Gemeinschaft in den Schulen und Bildungseinrichtungen den Zugang zu den elektronischen Medien fördert, dann kommt es vor allem darauf an, interessante und pädagogisch wertvolle Inhalte zu vermitteln. In Zusammenarbeit mit dem Land Nordrhein-Westfalen soll deshalb ein zentraler Bildungsserver der Gemeinschaft nach dem dortigen Modell aufgebaut werden.

    3.1.4. Die Multimedia-Ausbildung

    Um Ausbildungskräften sowie allen anderen Privatpersonen oder Unternehmen, die eine entsprechende Nachfrage bekunden, bei der Verwendung der neuen Trägertechniken Unterstützung zuteil werden zu lassen, beabsichtigt die Regierung mittel- bis langfristig die Entwicklung interaktiver Multimedia-Bildungsprogramme. Der Bereich der abzudeckenden Themen ist umfassend: neue Technologien, Berufsberatung, Verbraucherschutz u.ä. Die Vertragsparteien versuchen, mit Unternehmen, die bereits über einschlägiges Fachwissen verfügen, Erfahrungen auszutauschen.

    Im Rahmen der Zusammenarbeit mit Belgacom wurde ein Mitarbeiter der Pädagogischen Arbeitsgruppe, Herr Guido Ossemann, mit der Verantwortung für diesen Teilbereich betraut. Die folgenden Überlegungen ergeben sich aus der systematischen Beschäftigung mit dem Thema sei es durch Fachlektüre, durch Kontakte mit Kollegen im Ausland oder durch Gespräche mit Verantwortlichen der Sekundarschulen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Im letzten Punkt dieses Abschnitts schließlich wird das Ergebnis einer detaillierten Umfrage in den Sekundarschulen der Gemeinschaft vorgestellt.


3.2. Pädagogik

Voraussetzung zum Gebrauch des Computers im Unterricht ist eine schülerzentrierte und auf Eigenverantwortlichkeit aufbauende Pädagogik, d.h. es muss von der Wirklichkeit des Schülers ausgegangen werden und auch wieder in der Wirklichkeit des Schülers aufgehört werden. Bei purem Frontalunterricht ist der Einsatz ziemlich sinnlos, da das interaktive Element in dieser Pädagogik fehlt. Da die pädagogische Erfahrung mit dem Einsatz von Rechnern im Unterricht bzw. der Arbeit mit dem Internet augenblicklich noch sehr begrenzt ist, kann hier noch keine klar fundierte Vorgehensweise dargelegt werden. Es können allerdings schon einige wichtige Punkte beschrieben werden.

    3.2.1. Die Räumlichkeiten

    Grundsätzlich müssen Rechner, die im Unterrichtsbereich zum Einsatz kommen, räumlich von Verwaltungsbereich der Schule getrennt sein. Außerdem ist anzuraten, daß nicht alle Rechner in einem zentralen Raum zu finden sind, sondern daß möglichst auch mehrere Rechner in einzelnen Klassenräumen stehen, wo sie bei Bedarf benutzt werden können. Dies verhindert, daß einzelne Lehrpersonen oder privilegierte Gruppen ausschließlich Zugang zu diesen Medien haben. Außerdem kann bei einer dezentralen Verteilung von Rechnern viel natürlicher darauf zurückgegriffen werden.

    3.2.2. Die Entwicklung von allgemeinen Schlüsselqualifikationen im Unterricht

    Wie oben bereits angedeutet, erfordern der Umgang mit Computern und der Zugang zum Internet im Unterricht eine neue Herangehensweise, die Unterricht nicht nur frontal gestaltet, sondern die kreativen Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Schülern entwickelt und nutzt. Schlüsselqualifikationen sind die Fähigkeiten, Fertigkeiten und Haltungen, über die ein Schüler verfügen muß, um in seinem späteren (Berufs-)leben möglichst flexibel und sicher auf Bedürfnisse der Lebens- und Arbeitswelt reagieren zu können. Hierzu gehört die der Situation angepaßte Anwendung von Arbeitsmethoden, der Einsatz von Kommunikationsmöglichkeiten, um Informationen zu verstehen, diese zu beschaffen oder zu vermitteln. Hierzu gehört ganz besonders die Fähigkeit, mit anderen in einem Team zusammenzuarbeiten und soziales Lernen zu ermöglichen.

    Besonders diese letztgenannte Fähigkeit wird in Zukunft eine zentrale Rolle spielen, da ein zunehmender Anteil von Arbeitnehmern mit Telearbeit konfrontiert sein wird. Unsere heutigen Schüler müssen also systematisch auf diese Situation vorbereitet werden, dies nicht nur um berufsmäßig eine angepasste Ausbildung zu erhalten, sondern auch um seelisch die veränderte Lebensumwelt verarbeiten und gestalten zu können.

    3.2.3. Erlernen von Kompetenzen in Zusammenhang mit Computer und Internet

    Um effektiv mit Computern und dem Internet umgehen zu können, müssen Schüler zwangsläufig die dazu notwendigen Kompetenzen erlernen. Dazu gehören die Handhabung von Tastatur und Maus, aber auch das Umgehen mit Betriebsystemen und den wichtigsten Programmtypen (Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, evtl. Datenbank).

    In Zusammenhang mit dem Internet sind folgende zusätzliche Kompetenzen zu nennen:

    • Versenden und Empfangen von elektronischer Post,
    • Gezieltes Suchen von Informationen über Netz-Dienste,
    • Telekooperatives Arbeiten,
    • Publizieren im Netz,
    • Aneignung von Hintergrundwissen,
    • Verantwortungsbewusstes Arbeiten.

    Zur Erreichung dieser Kompetenzen müssen noch fundierte Konzepte entwickelt und erprobt werden. Allerdings steckt diese Diskussion noch in den Anfängen, weil der Aufbau geeigneter didaktischer Konzepte erst durch die Anwendung im Unterricht entwickelt werden können.

    3.2.4. Kontakt und Austausch

    Es gibt hier augenblicklich zwei Möglichkeiten:

      Intranetaustausch zwischen Schulen der Deutschsprachigen Gemeinschaft

      Der Aufbau eines Intranets zwischen ostbelgischen Schulen, wo gemeinsam eine Schülerzeitung erstellt oder ähnliche Projekte durchgeführt werden, ist möglich. Es bleibt zu überprüfen, ob dies einem wirklichen Bedürfnis der Schüler entspricht.

      Internationaler Austausch über das Internet

      Es besteht die interessante Möglichkeit, über das Internet Kontakt mit Schulen unser Nachbargemeinschaften oder Nachbarländer aufzunehmen. Hier kommen vor allem die Flämische und Französische Gemeinschaft, Deutschland, Frankreich, die Niederlande und Großbritanien in Frage. Es können gemeinsame fächerübergreifende Unterrichtsprojekte in Angriff genommen werden, welche die aktive Anwendung der geläufigsten Fremdsprachen erfordern. Ausgehend davon kann auch der Lehrer- und Schüleraustausch intensiviert werden, der Lehrern wie Schülern innerhalb eines Schuljahres ermöglicht, in der anderen Gemeinschaft oder in dem anderen Land aktiv Unterricht mitzugestalten und zwischenmenschliche Kontakte bzw. Freundschaften über die Grenzen hinweg zu fördern. Gerade in der Deutschsprachigen Gemeinschaft ist die Gestaltung dieser Möglichkeit von großer Bedeutung, da die Deutschsprachige Gemeinschaft schon von ihrer Ausgangssituation her den Kontakt von verschiedenen Sprachen und Kulturen mit sich bringt. Außerdem bringt die sich ändernde Weltwirtschaft eine Arbeitsnehmersituation mit sich, wo die aktive Kenntnis anderer Sprachen und Kulturen wichtige Vorteile bringt. Diese Möglichkeit, die gerade der Bevölkerung der Deutschsprachigen Gemeinschaft besondere Vorteile bringt, sollte auf keinen Falle außer Acht gelassen werden.


3.3. Die Organisation der Information

Dreh- und Angelpunkt des Projektes wird der zentrale Bildungsserver der Gemeinschaft sein, der gemeinsam von den angeschlossenen Schulen nach dem nordrhein-westfälischen Modell (siehe http://www.learn-line.nrw.de) entwickelt werden soll. Der Aufbau dieses zentralen Bildungsserver soll in enger Kooperation mit dem Europäischen Institut für Medienkompetenz in Düsseldorf erfolgen, welches bereits für den NRW-Server verantwortlich ist.

Eine Schule kann dann zum Aufruf bzw. zur Ausgabe von Informationen verschiedene Möglichkeiten nutzen.

    3.3.1. Einfache Schnittstelle nach außen

    Die Schule kann ihre Schnittstelle nach außen wie ein normaler Privatanwender benutzen. Dies hätte als Nachteil, daß finanziell und inhaltlich kaum eine Kontrolle möglich wäre. Dies ist eventuell bei sehr kleinen Schulen sinnvoll, bei größeren Schulen ist solch ein System schon aus ethischen Gründen wenn möglich zu vermeiden.

    3.3.2. Lokaler Bildungsserver als Schnittstelle nach außen

    Ein lokaler Bildungsserver würde eine relativ gute Kontrolle über das schuleigene Netzwerk gestatten. Ein solcher Server würde etwas aufwendiger gestaltet sein als ein durchschnittlicher Schulrechner, da er eine große Menge an Informationen zu verarbeiten hätte. Allerdings halten sich auch hier die Kosten in Grenzen.

    Der Server kann als Instrument für folgende Aufgaben benutzt werden :

    • Firewall
      Ein auf dem Server aktiver Firewall verhindert das Eindringen unbefugter Personen in das System, die unberechtigterweise Informationen anzapfen oder die Informationsgestaltung verändern könnten.
    • Virenüberwachung und -entfernung
      Der lokale Bildungsserver soll so ausgerüstet werden, daß er den Schutz gegen Computerviren ganz oder teilweise gewährleisten kann.

    Kontrolle der Telefongebühren

    Man kann Telefongebühren sparen, indem immer wieder benötigte Informationen auf der Festplatte des Servers abgelegt werden. Bei Abruf stehen die betreffenden Informationen dann viel schneller zur Verfügung und belasten nicht unnötigerweise das Telefongebührenkonto. Welche Informationen in welchem zeitlichen Rhythmus abgespeichert werden, kann der Serververantwortliche mit den Lehrern bzw. Schülern und der Schulleitung absprechen.

    Sperre für unzulässige Informationen

    Auf dem Server kann auch spezialisierte Software gespeichert werden, die verhindert, daß Schüler an ihnen nicht zumutbare Informationen gelangen, z.B. pornografische Webseiten. Die Server funktioniert also wie eine Art Kindersicherung. Dieser Punkt ist sehr wichtig, da hier Bedenken mancher Eltern ausgeräumt werden können bzw. juristische Klagen vermieden werden.

    Trennung von Verwaltungs- und Unterrichtsbereich

    Über einen schuleigenen Server lässt sich eine solche Trennung sehr leicht bewerkstelligen. Dadurch wird verhindert, daß Schüler Zugang zu verwaltungsspezifischen Informationen haben. Es ist durch dieses System aber außerdem ohne weiteres möglich, spezielle Informationen des Ministeriums, die nur bestimmten Personengruppen zugänglich sein sollen, zu speichern.

    Die ideale Software zur Bedienung des Servers sollte in Absprache zwischen den verschiedenen Komponenten des Internetprojektes der Gemeinschaft ausgewählt werden. An dieser Stelle soll auf eine Server-Software des Heyse-Verlages hingewiesen werden, die als Grundlage das Linux-Betriebssystem hat, das bekanntlich frei verfügbar ist und alle Vorteile (Schnelligkeit und Mächtigkeit) eines Unix-Systems mit sich bringt. Allerdings ist diese Software so gestaltet, daß auch ein Lehrer ohne große Vorkenntnisse in Informatik den Server bedienen kann. Diese Software steht auf Anfrage zur freien und kostenlosen Verfügung der Schulen. Ein solcher Lehrer könnte dann auch als Technikbeauftragter einer Schule fungieren.


3.4. Fort- und Weiterbildung

Da viele Personen aus dem Lehr- und Verwaltungsbereich bisher keinen oder kaum Kontakt mit Computerhardware und -software gehabt haben, sind systematische Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen in diesem Bereich vonnöten.

Hier sind vier Möglichkeiten zu unterscheiden:

    3.4.1. Lehr- und Verwaltungspersonal ohne Vorkennnisse

    In einer ersten Phase könnten Lehrer, die überhaupt keine Vorkenntnisse haben, die Grundinformationen über Hard- und Software erhalten. Hier ginge es nur um wirkliche Basiskenntnisse, wie das Umgehen mit einer Maus, mit einem Betriebsystem, mit einer Festplatte usw.

    3.4.2. Lehr- und Verwaltungspersonal mit Basiskenntnissen

    Diese Personengruppe würde in ein geläufiges Textverarbeitungsprogramm wie 'Word' eingeführt werden. Bei Bedarf kann auch an die Einführung in Tabellenkalkulationsprogramme oder Datenbankprogramme gedacht werden.

    3.4.3. Einführung in den Umgang mit dem Internet

    Personen aus Unterricht und Verwaltung, die Interesse an der Arbeit mit dem Internet haben, erhalten Einführungskurse in alle wichtigen Aspekte des Umgangs mit diesem Medium. Diese Einführung würde allerdings die oben genannten Punkte 1 und 2 voraussetzen.

    3.4.4. Didaktische Konzepte

    Lehrpersonen, die bereits die Kompetenzen der Punkte zwei oder drei erworben haben, können an weitergehenden Fortbildungsmaßnahmen teilnehmen, die ihre pädagogische Kompetenz erhöhen. Wie aber bereits weiter oben erwähnt worden ist, stecken didaktische Konzepte in diesem Bereich noch in den Kinderschuhen. Es ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht einfach, geeignete Referenten zu finden, die hierzu auch wirklich Interessantes beitragen können. Die wichtigste Voraussetzung ist wohl eine schülerzentrierte Pädagogik des Lehrers, die augenblicklich durch die Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen der Pädagogischen Arbeitsgruppe besonders gefördert wird. Wichtig wird auch sein, den Lehrern Kriterien zur Beurteilung von Softwareangeboten an die Hand zu geben. Ähnlich wie beim Internetprojekt im Jugendbereich müssen die didaktischen Konzepte in einer Anfangsphase von den am Projekt beteiligten selbst entwickelt werden.


3.5. Finanzierung

Es liegt auf der Hand, daß das Projekt 'Schulen ans Netz' mit einem bedeutenden Kostenaufwand verbunden ist und deshalb ein klares Finanzierungskonzept vorhanden sein muß, das Schulen gestattet, vorausschauend, langfristig und sinnvoll innerhalb eines Finanzrahmens planen zu können. Welche Möglichkeiten bieten sich hier an und welche Punkte müssen beachtet werden?

Grundsätzlich ist hier zwischen statischen und dynamischen Modellen zu entscheiden, bzw. einer Kombination von beiden.

    3.5.1. Die statischen Modelle

    Beginnen wir mit den statischen Modellen. Hier hat man die Wahl zwischen dem Festbetrag- oder dem Hardwaremodell.

    Bei dem Festbetragmodell stünde den Schulen nach einem zu bestimmenden Schlüssel ein festgelegter Betrag pro Jahr zur Verfügung, der allerdings auch in dem betreffenden Rechnungsjahr in Anspruch genommen werden müsste. Der Vorteil einer solchen Lösung bestünde in einem leicht abzuschätzenden Finanzierungsbedarf pro Rechnungsjahr. Nachteilig wäre die dem System immanente Tendenz zu unnützen Anschaffungen, da bei Nichtausschöpfung des zur Verfügung stehenden Budgets der Schule ein Teil des Budgets verloren ginge.

    Die zweite statische Möglichkeit ist das Hardware-Modell, d.h. die Zur-Verfügung-Stellung eines oder mehrerer Rechner. Der Vorteil einer solchen Lösung wäre natürlich der übersichtliche und bei Bedarf leicht einzuschränkende Finanzrahmen. Auch könnte der Finanzierungsbedarf dadurch eingeschränkt werden, daß durch Sammelbestellungen günstigere Stückpreise erzielt werden könnten. Es besteht jedoch die Gefahr, an den wirklichen Bedürfnissen der Schulen vorbeizuplanen, da verschiedene Schulen wegen der großen Unterschiede in der bestehenden EDV-Ausstattung auch verschiedene Hardware-Lösungen erfordern.

    Generell ist für die statischen Modelle anzumerken, daß die Entscheidungsverantwortung größtenteils beim Ministerium läge und nicht bei den Schulen. Ein selbstverantwortliches Planen, das Ideen und Energien freilegen würde, wäre bei solchen Systemen nur bedingt möglich.

    3.5.2. Die dynamischen Modelle

    Der Aspekt der Eigenverantwortlichkeit von Schulen kommt bei dynamischen Modellen stärker zum Tragen. Auch sind Finanzierung und Hardware-Lösung hier stärker ineinander verwoben.

    Bei dem einfachen dynamischen Modell wird jeder Schule zwar auch ein Festbetrag pro Jahr zugestanden, allerdings steht sie nicht unter dem Zwang, diesen im betreffenden Rechnungsjahr voll auszuschöpfen. Da der nichtausgeschöpfte Betrag auch im darauffolgenden Rechnungsjahr noch immer zu Verfügung steht, kann eine Schule wie bei einem Sparbuch das ihr zur Verfügung stehende Budget anschwellen lassen, um es bei Bedarf kosteneffektiv abzurufen. Dadurch würde die Schule dazu angehalten, im Rahmen eines durchdachten EDV-Konzeptes ihre Anschaffungen mittel- bis langfristig zu planen.

    Das kombinierte dynamische Modell setzt noch weitergehende Handlungspotentiale frei, indem es ein pro Rechnungsjahr gestaffeltes Budget pro Schule vorsieht. Statt wie bei der einfachen dynamischen Lösung ein volles Budget pro Rechnungsjahr vorzusehen, stellt man jeder Schule nur einen bestimmten Prozentsatz des ihr zustehenden Budgets zur Verfügung. Der Rest kann nur in Anspruch genommen werden, wenn es gelingt, Sponsorenkapital in gleicher Höhe aufzutreiben. Der Vorteil dieser Lösung ist, dass eine noch größere Dynamik entsteht, weil Schulen weitere Geldgeber suchen würden. Es würden wahrscheinlich auch Wartungsverträge mit spezialisierten Unternehmen abgeschlossen, die eine spürbare finanzielle Entlastung darstellen würde.

    Generell ist für die dynamischen Modelle zu bedenken, daß aufgrund der hohen Eigenverantwortung der Schulen sowohl die Kompatibilität der EDV-Ausrüstungen untereinander als auch das geschlossene Auftreten gegenüber potentiellen Sponsoren erschwert wird.

    3.5.3. Trennung von Verwaltung und Unterricht

    Bei der Finanzierung von Schulen müssen getrennte Budgets für Verwaltung und Unterricht vorgesehen werden, da sonst die Gefahr besteht, daß Geräte aus dem Unterricht abgezogen und dem Verwaltungsbereich der Schule zugegliedert werden. Je kleiner die Schule, desto größer ist diese Gefahr. Deshalb sollte man auch über ein grundsätzliches Verbot nachdenken, Geräte vom Unterrichtsbereich in den Verwaltungsbereich zu verschieben.

    3.5.4. Einsatz von Software

    Die Anschaffungskosten für Software sind natürlich im Budget für Informatikmaterial der Schulen enthalten. Wichtig wäre, die Schulen dazu zu verpflichten, nur rechtmäßig erworbene Software einzusetzen. Die Schulverantwortlichen müssen auch darauf aufmerksam gemacht werden, daß der Einsatz von Software konzeptuell genauso geplant werden muß wie der Einsatz von Hardware. Es wird zum Beispiel nicht möglich sein, eine einmalige Anschaffung eines Betriebssystems oder eines Programms vorzusehen, um in den nächsten Jahren mit derselben Versionsnummer ständig weiterzuarbeiten.

    3.5.5. Die Telefongebühren und Providergebühren

    Ein wichtige finanzielle Komponente sind auch die Telefongebühren, die ein klar aufgebautes System erfordern, um gegen unliebsame Überraschungen gefeit zu sein. Es besteht die Möglichkeit eines Festbetrags, den jede Schule einmal jährlich erhält. Der Vorteil besteht in dem übersichtlichen Budget, der Nachteil ist allerdings, daß manche Schulen den zur Verfügung stehenden Betrag als unzureichend erfahren könnten, andere Schulen dagegen zuviel hätten. Ein realistischer Umfang ist schwer abschätzbar. In einer ersten Phase könnte man sich an den Beträgen für deutsche Schule orientieren.

    Es bestehen allerdings mehrere Möglichkeiten zur Kontrolle bzw. Senkung der anfallenden Telefongebühren:

    intern

    Auf dem lokalen Bildungsserver der Schule können häufig benötigte Informationen nach Rücksprache mit den betreffenden Fachlehrern nach einem geeigneten zeitlichen Rhythmus abgespeichert werden. So können die benötigten Informationen schneller und praktisch kostenlos immer wieder abgerufen werden.

    Der Gebrauch von ISDN beschleunigt nicht nur die Informationsbe-schaffung, sondern spart bei größeren Schulen mit mehreren Telefonleitungen Gebühren.

    extern

    Durch Verhandlungen mit Belgacom oder auch einzelnen Providern müsste es möglich sein, die anfallenden Gebühren deutlich zu drücken. In Luxemburg zum Beispiel kann eine Schule bisher morgens eine Verbindung zum Internet herstellen und abends wieder abbrechen. Kostenpunkt für eine ganztägige Verbindung: 5 luxemburgische Franken. An Providergebühren fällt praktisch nichts an, da bisher das Ministerium als Provider der Schulen auftritt.

    In Grossbritanien hat man eine bedeutende Reduzierung der Gebühren erreicht, indem mit den Kabelverteilern verhandelt worden ist, die weit preisgünstigere und schnellere Zugänge als die Telefongesellschaften zur Verfügung stellen. Dies setzt allerdings voraus, dass die Kabelverteiler Zweigweg-Leitungen vorsehen, was in Ostbelgien bisher nicht der Fall ist.

    3.5.6. Verkabelung und Netzwerk in den Schulen

    Wenn mittel- bis langfristig erreicht werden soll, daß Computer nicht zentral an einem Ort innerhalb der Schule zur Verfügung stehen, sondern in möglichst vielen Klassenräumen, so müssen die Kosten für die Installierung eines Netzwerks sowie die nachträgliche Verkabelung zwischen den Arbeitsplätzen in die Kalkulation mitaufgenommen werden.


3.6. Gesundheit und Entsorgung

    3.6.1. Ergonomische Gestaltung des Schülerarbeitsplatzes

    Um unnötige Beeinträchtigungen zw. körperliche und seelische Schäden zu vermeiden, muß der Arbeitsplatz des Schülers, sei es in einem zentralen Raum, sei es in einem normalen Klassenraum, nach strikten ergonomischen Normen gestaltet sein. Dabei ist besonders auf die Lichtverhältnisse bzw. den Monitor und die Körperhaltung zu achten. Das Ministerium sollte hierzu klare Richtlinien für alle Schulen herausgeben und durchsetzen.

    3.6.2. Die umweltverträgliche Entsorgung von Elektronikmüll

    Da mit der Zeit zwangsläufig ein hoher Anteil an Elektronikmüll in den Schulen anfallen wird, ist es wichtig, möglichst bald ein klares Konzept zur Entsorgung dieser Art von Müll zu entwickeln, sei es, indem von den Schulen gefordert wird, nur bei Händlern mit Rücknahme- und Entsorgungsgarantie zu kaufen, sei es, indem die Deutschsprachige Gemeinschaft selbst eine Müllentsorgung aufbaut.


3.7. Auswertung der Umfrage in den Sekundarschulen der Gemeinschaft

Insgesamt 13 Schulen der Deutschsprachigen Gemeinschaft wurden durch die Pädagogische Arbeitsgruppe zu ihrer EDV-Ausrüstung und zum Thema Internet befragt : 9 Schulen des Sekundarunterrichts, 2 pädagogische Hochschulen und 2 Zentren für Aus- und Weiterbildung des Mittelstandes. Die Resultate wurden in drei Tabellen zusammengefaßt, die in Anhang 2 dargestellt sind. Tabelle 1 und 2 geben Informationen über die bestehende Ausrüstung, Tabelle 3 geht auf die bestehende oder vorgesehene Nutzung des Internet in den Schulen ein.

    3.7.1. Ausrüstung der Schulverwaltungen

    In der Befragung nach vorhandenem EDV-Material wurde unterschieden zwischen Verwaltung und Unterricht. In der Verwaltung finden wir vorrangig PCs der neueren Generation, d.h. Pentium Prozessoren oder 486er Prozessoren. Man nutzt allgemein Windows 3.11 und verfügt häufig über ein eigenes Netzwerk ; Modems sind noch recht selten. Die meistgenutzten Anwendungsprogramme sind Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Schulverwaltungs-, Stundenplanverwaltungs- und Buchhaltungsprogramme.

    3.7.2. Ausrüstung für den Unterricht

    In den Klassenräumen finden wir in erster Linie PCs der 486er Prozessorengeneration. Netzwerke sind seltener, und oft ist nur ein Teil der vorhandenen Computer angeschlossen, die sich dann meist in einer Klasse befinden. Auch im Unterricht ist das Betriebssystem Windows 3.11 am meisten verbreitet. Die Anwendungsprogramme sind abhängig von der Schulorientierung. Allgemein findet man Büroanwendungen, in einigen Schulen werden auch Lernprogramme genutzt oder Programme, die speziellen Anforderungen in bestimmten Unterrichten entsprechen. In den meisten Schulen sind nur eine oder zwei Klassen mit Computern bestückt ; in diesen Klassen befindet sich fast immer das lokale Netzwerk.

    3.7.3. Kommentar zur Ausrüstung

    Die Unterschiede in der Ausrüstung zwischen Verwaltung und Unterricht sind normal und leicht verständlich. In einer ersten Phase wurden die Klassen, meist die Informatikklassen, mit Material ausgerüstet. In einer zweiten Phase wurden dann das Sekretariat und die Verwaltung informatisiert. Daher finden wir die neueren PCs und auch die Netzwerke in der Regel in den Schulverwaltungen.

    Vor allem die räumliche Aufteilung der EDV-Ausrüstung zeigt, daß der PC sich bisher nur an wenigen Stellen als regelmäßiges Arbeitsintrument hat durchsetzen können. Er dient zwar nicht mehr ausschließlich dem Informatikunterricht, sondern wird immer mehr in andern Unterrichten eingesetzt, aber um ihn zu nutzen muß man sich weiterhin in spezielle Räume begeben. Die Nutzung als tägliches Arbeitsinstrument scheint im technischen Unterricht weiter fortgeschritten als im allgemeinbildenden Unterricht. Hervorzuheben ist hier die große Zahl von Arbeitsplätzen im Robert-Schuman-Institut.

    Bedauerlich ist die Tatsache, daß bei der Ausbildung der Primarschullehrer dem Umgang mit dem Computer wenig Bedeutung beigemessen wird.

    3.7.4. Nutzung des Internet

    Wie die Umfrage ergab, wird das Internet so gut wie überhaupt nicht in den Schulverwaltungen genutzt. Gewünscht wird ein Anschluß meist zur Informationssuche und eventuell zum Datenaustausch mit dem Ministerium.

    Im Unterricht stellt sich die Situation anders dar. Die Auswertung des Zahlenmaterials ist auf den ersten Blick verwirrend, da verschiedentlich private Anschlüsse von Lehrpersonen für die Arbeit in den Klassen eingesetzt werden, oder aber auf Anschlüsse außerhalb der Schule zurückgegriffen wird. Insgesamt verfügen fünf Schulen - also knapp die Hälfte - über einen Internetanschluß und nutzen das Internet im Unterricht. Sechs Schulen können auf Lehrer zurückgreifen, die das Internet kennen und es beruflich oder privat nutzen.

    Die Nutzung des Internet ist vielfältig. Viele Schulen haben eine eigene Homepage im Internet eingerichtet. Eine Schule beteiligt sich an dem Projekt GLOBE, einem weltweiten Projekt der Klimaforschung, in einer andern Schule wird im Rahmen des Englischunterrichtes zusammen mit einem amerikanischen Buchautor an einem Werk über St. Vith gearbeitet. Zwei weitere Schulen werden das Internet für ein EG-Projekt im Rahmen des Programms Comenius nutzen. Das Medium Internet kann auf verschiedenen Ebenen im Unterricht genutzt werden : Erlernen der Nutzung des Internets, Informationsquelle, interaktives Austauschmedium mit andern Schulen, andern Sprachen und andern Kulturen.

    3.7.5. Schlußforderungen zur Anschaffungspolitik

    Die Grundausstattung für den Anschluß ans Netz ist in den meisten Schulen vorhanden. In der Tat sind in einer ersten Phase selbst ältere, mit einem 486er Prozessor bestückte PCs als lokale Bildungsserver ausreichend ; wichtig ist nur, über genügend Zentralspeicher zu verfügen. Als Befragungsposten können auch ältere Modelle genutzt werden, unter der Bedingung, daß sie Windows ausführen können und über einen Farbbildschirm verfügen.

    Für eine optimale Durchführung des Projektes fehlt es in den meisten Schulen an multimediafähigen Computern und an großräumigen lokalen Netzwerken, die eine Verteilung der Befragungsposten auf möglichst viele Klassenräume ermöglicht. Die Anschaffungspolitik sollte sich deshalb auf diese beiden Schwerpunkte konzentrieren.


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