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    Internet Artikel November 98 in Der Mittelständler (Eupen)

    Das Internet hat sich auch in Ostbelgien als neues Kommunikationsmittel etabliert, und die meisten unserer Lesern gehören inzwischen zu den fast 3.000 ostbelgischen Internet-Nutzern. Weniger bekannt ist vielleicht die Tatsache, dass mittlerweile ca. 200 ostbelgische kleinere und mittlere Unternehmen eine eigene Homepage oder sogar eine eigene Website mit Domainnamen im Internet veröffentlichen und sich mehr oder weniger erfolgreich dem "e-commerce" (elektronischen Handel) zuwenden. Der nachfolgende Artikel beschäftigt sich mit diesem Thema.

    Vielleicht fragt der eine oder andere Leser sich, was all diese neuen Begriffe bedeuten. Jede Branche hat ihr Fachchinesisch, so auch das Internet: über Aussenstehende bricht eine Flut von Fremdwörtern herein, bei denen sie nur Bahnhof verstehen. Beim Internet-Fachjargon ist das Problem noch gravierender, da es nicht nur die Anwender in einer speziellen Branche betrifft sondern branchenübergreifend verwendet wird. Die vorstehend genannten Fremdwörter gehören bereits zum alltäglichen "Bürodeutsch" all jener, die schon im Internet aktiv sind.

    Ich werde hier nicht weiter auf diese Fachwörter und -begriffe eingehen, da wir diese bereits im April 1996 (also schon vor 30 Monaten) in einer 12-seitigen Beilage zur Monatsausgabe des Grenz-Echo erklärt haben. Es sind noch einige Exemplare dieser Beilage vorhanden, die Interessierte gerne bei euregio.net im BRF-Funkhaus anfordern können.

    In diesem Artikel möchte ich vielmehr ein Thema aufgreifen, das ebenso provizierend wie wahr ist:

    Eine Website ohne Besucher ist keine Internet-Präsenz...

    Als Internet Presence und Access Provider in Ostbelgien stellen wir regelmässig fest, dass man mit ganz falschen Erwartungen ans Internet herangeht. Die Einrichtung einer Email-Adresse und ein Zugang über Modem oder ISDN sind meist der erste Schritt, um über das Internet diese neue Form der Kommunikation kennenzulernen. Der zweite Schritt ist oft das Mieten eines Schaufensters. Und hier machen dann viele den Fehler, dass sie entweder nur eine karge Information ins Web bringen oder aber den globalen Aspekt vergessen, diese einfache und einzigartige Möglichkeit, Informationen sowohl euregional als auch weltweit an die Frau/den Mann zu bringen. Mehrsprachige Websites sind im Internet ein Muss, denn von den über 90 Millionen Internet-Nutzern sind nur 44 % englischsprachig...

    Dazu Erwin Kirsch, (Web)designer zum Thema Werbeschaufenster im Internet: "Die neue Welt der Kommunikation eröffnet für den Designer neue Darstellungsmöglichkeiten für die Grafik und die Werbeaussagen seiner Kunden. Es ist ein "Supermedium", welches nicht nur neue Facetten in punkto Erscheinungsbild anbietet - auch die Interaktivität in der Nutzung läßt sich so nicht in Printmedien realisieren. Dazu kommt die Möglichkeit der schnellen Aktualisierung (innerhalb von Minuten, wenn es sein muß!) und der gründlichen Auswertung . Zeitpunkt, Zugriffe, Seitenabfragen etc. lassen sich genauestens analysieren. Das Werbefenster im Internet wird auch jeden mittelständigen Unternehmer und Geschäftsmann auf kurz oder lang herausfordern. Es macht Spaß ... und bringt Erfolg: Imageaufbesserung, Top-Aktualität und (hoffentlich) Ertrag."

    Ausser der Notwendigkeit, mindestens Deutsch und Englisch - besser noch Englisch, Spanisch und die drei euregionalen Sprachen - auf seiner Homepage und/oder Website zur Auswahl anzubieten, ist eine Vielzahl weiterer Aspekte in Betracht zu ziehen.

    Die erste Überlegung ist natürlich: Welche Botschaft möchte ich den Surfern vermitteln? Will ich nur eine Firmenpräsentation, eine Produktbeschreibung, technische Daten oder eine Meinung publizieren? Oder möchte ich über dieses neue Medium den Besuchern einen extra Service bieten? (Hierzu später noch mehr.)

    Statistische Erhebungen zeigen, dass der durchschnittliche Website-Besucher nach max. 4 Klicks eine Website wieder verlässt, wenn er nicht innerhalb dieser Navigationsspanne die gesuchte Information findet. Suchen ist tatsächlich ein sehr wichtiger Aspekt des Internets. Der anfängliche Charme des planlosen Herumsurfens weicht nach kurzer Zeit schon dem gezielten Einsatz des Internet als Informationsquelle. Wenn Ihre Firma also Informationen ins Internet bringen möchte, müssen Sie unbedingt dafür sorgen, dass diese auch gefunden werden.

    Da Internet-Surfer zum Aufspüren der Informationen sogenannte Suchmaschinen benutzen, ist es sehr wichtig, dass man die Kunst der Suchmaschinen beherrscht. Wer kennt nicht den Fall, dass man ein Suchwort eingibt, z.B. Wirtschaft, und dann "erschlagen" wird von "953.000 gefundene Webseiten..." Erste Voraussetzung um gefunden zu werden ist die Beherrschung der META TAG-Sprache, die dann auch vor Eintrag der Website in die Suchmaschinen auf alle Seiten angewendet werden muss. Viele Suchmaschinen akzeptieren Webadressen wie http://users...... usw. erst gar nicht. Daher ist ein eigener Domainname im Internet ebenso wichtig wie die Schaufenstergestaltung.

    Ein anderer häufig vorkommender Fehler ist eine pompöse Homepage mit schweren Grafiken. Wenn eine Webseite grösser als 16-30K ist, d.h. wenn ein Modem mehr als 6-15 Sekunden benötigt, um eine Website zu laden, vergraulen Sie ernsthafte Surfer, die sich bei Ihren Konkurrenten mit "leichteren" Seiten einklicken. Auch die Verwendung sogenannter Frames, die viele Website-Designer weiterhin einbauen, ist verpönt. Zum einen werden Frames in Suchmaschinen nicht eingelesen, zum anderen sind sie der Navigation nicht förderlich und für eine Vielzahl Browser ist die Darstellung der Seiten problematisch. Bei der Entwicklung einer Seite sollte man ausserdem der unterschiedlichen Darstellung in den 21 gebräuchlichen Browsern Rechnung tragen. Hierzu stehen zahlreiche Hilfsmittel zur Verfügung, die ein guter Internet-Provider seinen Kunden gerne in einem HTML-Seminar vermittelt.

    Kommen wir nochmal auf die Tatsache zurück, dass Ihre Website-Besucher von Ihrer Seite etwas Besonders erwarten, wie z.B. einen Sonderservice.

    Dazu nur ein Satz: Seien Sie originell und bieten Sie Ihren Besuchern etwas! Ich werde versuchen, das anhand einiger Beispiele zu verdeutlichen.

    Treuhand AG, St.Vith

    FG St.Vith

    Luxmetall Malmedy

    Kabelwerk Eupen

    Hans Anders (eine niederländische Optikerkette) bietet die Möglichkeit, eine Auswahl moderner und klassischer Brillenfassungen auf das eigene Passbild zu übertragen, damit der Kunde mit seiner alten Brille am Computerschirm seine neue Brille aussuchen kann. Diese Website erregte damals ein solches Aufsehen, dass nahezu jede Zeitung und jeder Fernsehsender in Holland darüber im redaktionellen Teil berichteten.

    Das Gestüt Sonnenhof in Sankt Vith möchte seine Pferde auch überregional bekannt machen. Daher präsentiert die Website nicht nur Infoseiten und Stammbäume im Internet sondern bietet der Pferdebranche etwas Besonderes, nämlich eine eigene Suchmaschine. Hierdurch besuchen nach nur 2 Monaten schon rd. 3.000 Personen aus der Branche täglich diese Website, um eine Suche zu starten. Und wenn nur 3% der Besucher der Pferdesuchmaschine ins Gestüt reinschauen, so sind das doch immerhin bereits 5.000 Website-Besucher aus der Branche, die monatlich hier interessante und relevante Information antreffen. Tendenz steigend. Ausserdem war diese Idee so genial, dass bereits 2 internationale Pferdezeitschriften in Kürze einen grosseren Bericht über das Gestüt bringen werden.

    Das Bauunternehmen Linden in St.Vith bietet nicht nur verschiedene Baupläne und Ansichten seiner Fertigbauten im Web an; der Webbesucher kann auch über ein interaktives Formular die erste Vermassung von z.B. Industriehallen eintragen. Er erhält zudem detaillierte Informationen über die unterschiedlichen Wandmaterialien und Dacheindeckungen. Aufgrund dieses Formulars kann ein erster Vertreterbesuch übersprungen werden und bei Bedarf kann der Vertreter sofort mit einem ausgearbeiteten Vorprojekt beim Kunden vorstellig werden.

    Der relativ kleine Schreinerbetrieb Welsch aus Wirtzfeld zeigt bereits seit Jahren Farbbilder seiner Arbeiten bei Referenzkunden im Internet, eine Präsentation auf die aufgrund der hohen Kosten für entsprechende gedruckte Farbprospekte bisher verzichtet wurde. Auch lässt sich das vielfältige Angebot an gedrechselten Profilen (einer seiner Spezialitäten) beliebig austauschen oder erweitern, da es im Internet keinen Platzmangel gibt.

    Das Autohaus Schauff in Eupen hat eine ansprechende Informationswebseite im Internet geschaffen, die nicht nur die Eupener informieren will, sondern auch potentielle deutsche Kunden. Da jedoch das Autohaus aufgrund der Werksvorschriften seine deutschen Preise nicht in deutsche Zeitungen veröffentlichen darf, kann es diese Info trotzdem über seine Website und die Eintragung in die deutschen Suchmaschinen bekanntmachen.

    Die Firma Gebrik aus Schoppen bietet ihren Vertragshändlern einen doppelten Service: zusätzlich zur Produktinformation über die Giebelverkleidung mit Isolierklinkern bietet Gebrik einen aktuellen Kalender der kleineren Baumessen in Deutschland und gibt seinen Händlern zudem die Möglichkeit, auf diesen Seiten auf sich aufmerksam zu machen. Der Händler erhält somit eine zusätzliche Internet-Präsenz. Im Gegenzug wird die Website von Gebrik auch gefunden, wenn mann auf den Namen einer Baumesse in den entsprechenden Suchmaschinen sucht.

    Die Firma Heuten aus Oberforstbach hat sich nicht damit begnügt, eine viersprachige Website mit ihrem Ersatzteilkatalog für britische Sportwagen übers Netz abrufbar zu machen. Sie bietet zudem auch übers Netz die mit digitalen Bildern illustrierten "Ladenhüter" aus dem Ersatzteillager zu Sonderpreisen an. Allein schon diese Angebotsseite wird monatlich von Tausenden Kunden besucht. Ein Grund dafür liegt darin, dass die Firma Heuten sich auch den entsprechenden Auto- und Motorclubs vorgestellt hat, die aufgrund der fachmännischen Präsentation der Firma Heuten gerne bereit sind, Referenzverknüpfungen auf ihren eigenen Websites zu installieren.

    Das Möbelhaus Krings-Maraite aus Sankt Vith richtet sich mit seiner Website vor allem auch an das amerikanische Publikum in Deutschland und hat daher seine Website nicht nur in Deutsch sondern auch in Englisch gestaltet. Dass dabei besonders der von den Amerikanern bevorzugte Stil mit Minibildern illustriert wird, die durch einen Klick auf Bildschirmgrösse gebracht werden können, spricht für sich.

    Die Kosmetikfirma Janssen Euro Beauty Service aus Hauset hat sich in nunmehr fast 3 Jahren eine starke Präsenz im Internet aufgebaut. Sie bietet nicht nur detaillierte Informationen für potentielle Importeure oder Vertriebspartnern (so u.a. technische Grafiken, Agenda der Kosmetikmessen weltweit, usw.), sondern vertreibt auch eine Vielzahl interessanter Kosmetikprodukte übers Internet zum Teil sogar mit Vorher/Nachher-Beispielen. Der Grossteil der Kunden kommt aus dem amerikanischen und asiatischen Markt, wie ein Beispiel beweist: eins der am häufigsten übers Internet verkauften Produkte ist ein "skin-whitening" Produkt, also ein Produkt, das die Haut aufhellt. Nicht unbedingt ein Renner in Europa...

    Das Verkehrsamt der Ostkantone präsentiert sich je nach Jahreszeit in einem anderen Web-Outfit. Dabei wurde sichergestellt, dass auch alte Eintragungen in Suchmaschinen die Besucher noch auf die Seiten des Verkehrsamtes führen. Über eine Email-Liste, in die die Besucher sich kostenlos eintragen können, hat sich inzwischen ein Adressenbestand von Tausenden Benelux-Touristen aufgebaut. Diese Besucher erhalten im Winter TÄGLICH gratis den neuesten Bericht über den Zustand der ostbelgischen Skipisten, ohne dass hierfür auch nur ein Franken an Fax- oder Portokosten anfällt. Im letzten Winter erhielten so z.B. an 20 Schneetagen jeweils Tausende potentielle Besucher unserer Region diesen Bericht.

    Die Liste der gelungenen Websites, deren Einfallsreichtum Besucher anlockt, liesse sich noch beliebig fortsetzen, muss jedoch aus Platzgründen hier enden.

    Ich kann nur allen Mitgliedern der Mittelstandvereinigung empfehlen, sich unbedingt mit dem Thema Internet-Präsenz auseinanderzusetzen, am besten zusammen mit einem Internet Provider der auch die Internet Marketing Strategien beherrscht.

    Hubert Savelberg
    Geschaftsführer Euregio.net AG, Eupen.

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